ISI und R&AW - Die Geheimdienste Pakistans und Indiens

Dr. Hein G. Kiessling

ISI und R&AW - Die Geheimdienste Pakistans und Indiens

Konkurrierende Atommächte, ihre Politik und der internationale Terrorismus

15x22 Klappenbroschur, 420 Seiten
Erscheinungsjahr: 2011

ISBN-13: 9783895747700

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Mit den nuklearen Tests in Indien und Pakistan im Jahre 1998 rückte die Region Südasien und seine sich dort feindselig gegenüberstehenden Nachbarn Indien und Pakistan in das Blickfeld der Weltöffentlichkeit. Schockartig war klar geworden, dass der Versuch der nuklearen Eindämmung, die Politik der Non–Proliferation, gescheitert war und die Welt sich mit neuen atomaren Gegebenheiten vertraut machen musste.
Neben den Atomtests war die veränderte weltpolitische Lage für ein neues Medieninteresse verantwortlich. Indien sah sich nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und dem Wachsen der Stärke Chinas zu strategischen Neuorientierungen gezwungen. Eine breitere Öffnung zum Westen wurde für Neu-Delhi ein Gebot der Stunde. Für Pakistan brachte der im Frühjahr 1989 vollzogene Abzug der Sowjetarmee aus Afghanistan ebenfalls eine Zäsur. Zusammen mit Washington war Islamabad über die 80er Jahre in Afghanistan in eine der größten und erfolgreichsten Geheimoperationen neuerer Zeit verstrickt gewesen. Nun zogen sich die Amerikaner zurück, und Pakistan sah sich gezwungen, seine Sicherheitsstrategien zu überdenken und neu auszurichten.

Das Ausmaß der operativen Unternehmen der USA und Pakistans im Afghanistan der 80er Jahre war der Weltöffentlichkeit lange Zeit verborgen geblieben. Zwar hatte es Reportagen über die Flüchtlingslager in Pakistan und den Kampf der Mudschaheddin gegeben. Mutige Journalisten waren auch in das afghanische Grenzgebiet gegangen. Genauere Informationen aber waren nicht erhältlich gewesen. CIA und ISI hatten es verstanden, das Ausmaß ihres Engagements im Land am Hindukusch zu verschleiern. Erst in der Endphase des Krieges kam es zu genaueren Berichten. Bilder von abgeschossenen Panzern und Helikoptern erschienen in der Weltpresse. In der ersten Hälfte der 90er Jahre lieferte dann der afghanische Bürgerkrieg Material für die Medien. Danach war es das archaische System der Taliban. Die Weltöffentlichkeit erfuhr vom Schleierzwang für Frauen, von öffentlichen Hinrichtungen und der Zerstörung der Buddha-Statuen von Bamiyan.
Mit verheerenden Anschlägen auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania im August 1998 erschreckte eine neue Form des internationalen Terrorismus die Welt. Die Ereignisse vom 11. September 2001 und der nachfolgende Krieg in Afghanistan ließen deutlich werden, dass sich die Wiege dieses Terrorismus am Hindukusch befand. Plötzlich wimmelte es in Pakistan und Afghanistan von Reportern und Kamerateams aus der internationalen Medienwelt. In Islamabad, Peshawar und Kabul herrsche über Monate ein Mangel an Hotelzimmern. Die Krisenherde der Region und die politischen Strukturen und Probleme seiner Staaten hatten ihren Weg in die tägliche Weltpresse gefunden. In Pakistan war es insbesondere der Geheimdienst Inter-Services Intelligence (ISI), der von dieser Berichterstattung betroffen war. Seine Verstrickungen in Afghanistan, Kaschmir und der übrigen Region wurden in Umrissen sichtbar. Der Betritt Pakistans zur Allianz gegen den Terror, die Weitergabe von Nukleartechnik an Libyen, den Iran und Nordkorea durch den pakistanischen Atom-Guru A. Q. Khan und die Rückkehr der Taliban nach Afghanistan ab 2004 taten ein Übriges – der ISI blieb im Gespräch.
Zwanzig Jahre später als der 1948 gegründete ISI wurde 1968 in Neu-Delhi der indische Auslandsnachrichtendienst Research & Analysis Wing (R&AW) ins Leben gerufen. Während der ISI seit dem 11. September 2001 und der nachfolgenden Lageentwicklung in Afghanistan regelmäßig in der westlichen Presse auftaucht, ist der indische Dienst trotz des nuklearen Wettlaufs auf dem Subkontinent, dem Streit um Kaschmir und den Jahrzehnte alten Spannungen zwischen Indien und Pakistan im Westen nahezu unbekannt. Hierfür sind weniger mangelnde Aktivitäten, als seine konsequente Abschottung gegenüber der Öffentlichkeit und eine gekonnte Verschleierung seiner Strukturen, Ziele und Operationen ursächlich. Die seit Jahrzehnten existenten freundschaftlichen Beziehungen Neu-Delhis mit Moskau haben auf seine Geheimdienste abgefärbt. R&AW erinnert in seinem Erscheinungsbild auch heute noch an den KGB der Sowjetzeit. Wie sehr strenge Geheimhaltung und die Furcht vor Verrat das Denken und Handeln indischer Sicherheitskreise beherrschen, bekam Anfang 2007 das indische Monatsmagazin FORCE zu spüren. Es wurde für die Veröffentlichung eines Fotos des neu ernannten indischen Armeechefs kritisiert. Ein vorsprechender Inspektor sah die nationale Sicherheit gefährdet. Die Zeitschrift warnte denn auch, dass in Indien unter dem Vorwand der nationalen Sicherheit Verhaftung und Gefängnis ohne Anklage möglich seien. Informationen darüber, was als Bedrohung der nationalen Sicherheit gilt, seien nicht existent.
Anschuldigungen, wie sie bspw. im Dezember 2007 gegen die CIA wegen der Vernichtung von Folter-Video-Bändern erhoben wurden, blieben dem indischen R&AW bei dieser Art von Sicherheitsdenken bisher weitgehend erspart. Über den ISI ist da die Berichterstattung einfacher. Eine große deutsche Tageszeitung nannte ihn 2003 einen der gefragtesten Geheimdienste der Welt, der sich seit 9/11 vor Anfragen kaum retten könne. Er sei einer der am wenigsten durchschaubaren und zugleich sichtbarsten Nachrichtendienste der Welt. Über den ISI schreibende in- und ausländische Journalisten, Kolumnisten und Analysten stellen ihn als einen Staat im Staate dar, der sich in die politischen Prozesse des Landes einschalte, sie beeinflusse und steuere. Dabei schrecke er auch nicht vor der Entführung und Tötung von Personen zurück. Bei Terroranschlägen im Lande wie in der Region wird denn auch fast automatisch nach Verbindungen der Täter zum ISI gesucht. Auch wenn sich solche nicht finden, ein Verdacht steht oft weiter im Raum. Dies auch dann, wenn das Militär und andere staatliche Sicherheitsorgane, wie seit 2007 mehrfach geschehen, selbst zu Opfern von Terroranschlägen wurden. Innerhalb des ISI, so eine dominierende Meinung, existieren Gruppen mit eigener Agenda und Kontakten zu alten, islamistischen Seilschaften. So auch die Mehrzahl der heute zu hörenden Erklärungen über die Hintergründe des jahrelang erfolgreichen Untertauchens von Osama bin Laden. Seine Liquidierung durch ein US-Navy Seals Kommando Ende April 2011 im pakistanischen Abbottabad wird damit Stoff für neue Verschwörungstheorien liefern, in denen auch der ISI eine Rolle spielen wird.
Das vorliegende Buch verfolgt das Ziel, die Geschichte von ISI und R&AW, ihre Entstehung und Entwicklung, ihre Strukturen und Aufgaben, Operationen und Verstrickungen zu erhellen. Da der ISI, im Gegensatz zum R&AW, de facto auch als Inlandsnachrichtendienst arbeitet, wird in Teil I des Buches auch auf die politische Entwicklung im Lande selbst genauer eingegangen.

ÖMZ, Heft 6/2012[...] ist das Buch eine ausgezeichnete Ergänzung, um ein besseres Verständnis der sicherheitspolitischen Situation in der Region zu erhalten.

ASIEN, Nr. 125, Oktober 2012Insgesamt ist das Buch eine spannende Studie, die wissenschaftlich hervorragend fundiert ist und aus vielen bedeutenden Quellen schöpfen kann. Kiessling macht die einzelnen Entwicklungen sowie Verstrickungen und Interessen der einzelnen Staaten (u.a. China und die USA) in dieser Region sehr deutlich und beschreibt die Arbeitsweise des pakistanischen und indischen Nachrichtendienstes.

bundeswehr-journal, Themen-Special: Zehn Jahre Afghanistan-Einsatz, 2012So nüchtern der Titel "ISI und R&AW", so lesens- und empfehlenswert ist der Inhalt dieses 420 Seiten starken Polit-Buches, das ein absoluter Kenner Südasiens verfasst hat.

Internationale Politik, Nr. 3/2012Akribisch beschreibt er die Geschichte und Strukturen des Inter-Services-Intelligence.

Politische Studien 441, 2012Kurz: Wer über die Weltpolitik nach 1947 mit Akzent auf den Ereignissen in Südasien forschen will, dem bietet Kiesslings Werk eine Fundgrube von ohne rhetorischen Aufputz aufgereihten Informationen, die, wie es der Geheimdienst-Materie entsprechen muss, nicht in den Allgemeinheiten stecken bleiben, aus denen viel zu viele Leitartikel bestehen.

Orient, 1/2012The USA ist seeking a strategic partnership with India against an emergent China. [...] With Pakistan as a strategic partner, the USA ist fighting Al Qaeda and other Islamist terror factions engaged in global jihad in the region. Kiessling excellently depicts these contrasts and provides the reader a deep and profound insight into internal power struggles in Pakistan.

www.solon-line.deDabei wird deutlich, dass er sich nicht auf die Auswertung von Sekundärquellen beschränken musste, sondern die Möglichkeit hatte, Hintergrundgespräche mit Schlüsselakteuren des pakistanischen Militär- und Geheimdienstmilieus zu führen. Dadurch erreicht die Arbeit eine analytische und Darstellungsintensität, für die es zumindest im deutschsprachigen Raum nichts Vergleichbares gibt.

Hardthöhenkurier, Ausgabe 6/2011Ein besonders lesenswertes Buch, insbesondere für sicherheitspolitisch oder regional interessierte Leser sowie für die Einsatzvorbereitung für ISAF-Kontingentmitglieder zu empfehlen.

www.security-explorer.de, 12/2011Wer sich angesichts des brodelnden Pulverfasses in dieser Region, des täglich eskalierenden Terros besonders in Pakistan, einen tieferen Einblick - mit Fakten unterlegt und mit Insiderwissen gespickt - verschaffen will, dem sei dieses Buch besonders empfohlen.

Das Historisch-Politische Buch, 59. Jg. 2011, Heft 6Alles in allem ist Kiesslings Werk also tatsächlich die im Untertitel verheißende Fundgrube von Informationen über das geheime Ringen der Nachrichtendienste auf dem indischen Subkontinent, islamistische Terrornetzwerke sowie die Innen- und Außenpolitik der beiden Nuklearmächte Indien und Pakistan.

pw-portal, November 2011Kiessling beschreibt in diesem Band die Geschichte der beiden Geheimdienste, ihre Entstehung und Entwicklung, ihre Strukturen und Aufgaben, Operationen und Verstrickungen.

Die Bundeswehr, 10/2011Das Fachbuch aus der Reihe "Geheime Nachrichtendienste" versorgt den Leser mit viel Wissenswertem über die Entwicklung auf dem indischen Subkontinent. Kiessling bereitet das Thema sehr wissenschaftlich auf, für jeden Interessierten eine Empfehlung.

Europäische Sicherheit, September 2011Wir erhalten mit dieser gut recherchierten Arbeit einen tiefen Einblick in die facettenreichen Hintergründe oder Abgründe eines der brisantesten Konfliktherde Südasiens, wenn nicht der Welt: Afghanistan-Pakistan-Indien.

Strategie & Technik, September 2011Der mit der Region eng vertraute Autor beschreibt in dieser fundierten Neuerscheinung die Geschichte von ISI und R&AW, skizziert Aufgaben und Strukturen und schildert Operationen und Verstrickungen. Auf diese Weise trägt er auch zu einem tieferen Verständnis der regionalen Rahmenbedingungen des ISAF-Einsatzes bei.

osintblog.org... it surely deserves becoming a must-read for anyone interested in both services’ history, structure, mission and involvement in the IND-PAK conflict for the time being.

dapd - HintergrundKiessling erklärt offen, welche Informationen zuverlässig sind, woher er sie hat und welche Darstellungen er für zweifelhaft und von einer verborgenen Agenda geprägt hält.

Ende dieses Jahres stellen wir hier weiterführende biographische und bibliographische Informationen für Sie zur Verfügung.

02.04.2012 | Geheimdienstexperte auf Leipziger BuchmesseAm letzten Tag der Leipziger Buchmesse 2012 referierte der Geheimdienst- und Pakistan-Experte Dr. Hein G. Kiessling über die aktuelle Sicherheitslage in der Region Afghanistan, Pakistan, Indien. Gleichzeitig stellte er im Beisein von Verleger Dr. Hans-Joachim Köster sein erst kürzlich erschienenes Buch "ISI und R&AW - Die Geheimdienste Pakistans und Indiens" vor. Viele Jahre war der Autor für ...

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29.06.2011 | Einblicke in Struktur und Organisation der Geheimdienste ISI und R&AWIm Rahmen einer vom Gesprächskreis Nachrichtendienste (GKND) und der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) durchgeführten Vortrags- und Diskussionsveranstaltung in Berlin mit dem Thema „Pakistan im Sommer 2011“ hat der Experte für Geheimdienste in Südasien, Dr. Hein G. Kiessling, über die Ergebnisse seiner aktuellen politischen Studienreise referiert. Dabei wurde gleichze ...

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